
Hafiza war erst zweieinhalb Jahre alt, als ich sie zum ersten Mal traf. Sie saß auf dem rauen Boden der Unterkunft im Lager, in dem sie geboren wurde. Sie war sich nicht bewusst, dass sie Flüchtling war, denn sie kannte kein anderes Leben. Geborgen in der Liebe ihrer Familie brauchte sie nichts weiter. Die Welt hatte keinen Platz für sie, aber hier in ihrem Zuhause hatte sie alles, was sie brauchte.
Jetzt ist Hafiza 3 Jahre alt, isst eine Mango und sitzt auf demselben rauen Boden. Immer noch geborgen und zufrieden, immer noch ohne zu realisieren, was es bedeutet, Flüchtling in einem umzäunten Lager zu sein.
Hier ist Hafiza mit 4 Jahren zu sehen. Sie posiert in den bunten neuen Kleidern, die ihre Eltern für den Festtag am Ende des Ramadans gekauft haben. Mit einem breiten Lächeln, geschminkt und mit perfekt frisierten Haaren. Unbeeindruckt von ihrer Umgebung, einem Ort voller Müll, schmutziger Gräben und Hunderten von Unterkünften, die sich bis zum nebligen Horizont erstrecken. Für sie ist das eine normale Umgebung, und heute ist Feiertag. Heute ist sie eine Prinzessin.
Hafiza, inzwischen 5 Jahre alt, steht auf einem Betonweg in der Nähe des Ozeans. Ein seltenes Ereignis, als ihre Eltern und ich einen Ausflug zu einem nahe gelegenen Strand außerhalb des Zauns wagten. Das ist der weiteste Ort, an dem sie jemals von „zu Hause” entfernt war. Nur 15 Kilometer entfernt, aber eine völlig andere Welt. Sie isst Eis, planscht im Wasser und geht dann zurück durch den Zaun zu der Unterkunft aus Bambus und Planen. Ihre Welt hat sich gerade verdoppelt, und sie ist müde.
Jetzt ist Hafiza 6 Jahre alt. Sie ist zufrieden mit ihren Eltern, die sie lieben, ihren Großeltern, die sie verwöhnen, und einem Onkel, der ihr manchmal Süßigkeiten in seiner Tasche mitbringt. Sie weiß inzwischen, dass sie Flüchtling ist, aber sie kennt nichts anderes. Das UNHCR identifiziert sie anhand einer sechsstelligen Nummer in einer Datenbank mit über einer Million Menschen, aber ihr Vater im Himmel kennt jedes einzelne Haar auf ihrem Kopf!
Gebetsanliegen:
- Betet für die Flüchtlingskinder, die 52 % der Bevölkerung im Lager ausmachen und ohne Staatsbürgerschaft aufwachsen.
- Betet, dass mehr Rohingya etwas über den Vater erfahren, der sie kennt.